Bastian Matthies und Tjado Brackmann sehen Teilnahme bei Landeswettbewerb von Jugend forscht als Ansporn

Foto(wu): Tjado Brackmann (links) und Bastian Matthies wollen auf Grundlage des Modells für Jugend forscht nun den Prototypen einer Aufmerksamkeits-Ampel fürs Klassenzimmer herstellen.

VON ANDRES WULFES

Soltau. Auch wenn sie es mit Platz vier nicht aufs Siegertreppchen geschafft haben – enttäuscht sind Bastian Matthies und Tjado Brackmann mit ihrem Abschneiden bei Jugend forscht nicht. Im Gegenteil: Die beiden Soltauer Gymnasiasten sehen es als Erfolg an, es überhaupt zum Landeswettbewerb geschafft zu haben – und als Ansporn, ihre Forschungen noch zu verbessern.

Denn die anderen Gruppen, „die waren schon mehrfach dabei, hatten teilweise schon Patente angemeldet“. Die beiden 15-Jährigen stecken bereits voller Pläne, wie sie ihr Modell gegen Schülermüdigkeit und für besseres Lernklima optimieren können – und tüfteln bereits an dem Prototyp für eine „Aufmerksamkeits-Ampel“ im Klassenzimmer. Und eins haben sich die beiden Neuntklässler fest vorgenommen: „Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei.“

„Optimierung des Lernklimas“ haben die beiden Gymnasiasten ihr Projekt genannt. Denn mangelnde Aufmerksamkeit der Schüler, das liegt nach ihren Ermittlungen oft nicht an Desinteresse oder langweiligem Unterricht, sondern schlicht und einfach an einem zu hohen Kohlendioxidwert im Klassenraum. So haben sie zunächst im eigenen Klassenraum den Kohlendioxidgehalt gemessen – und festgestellt, dass er nahezu dauerhaft zu hoch ist. Ungenügende Lüftung eben. „Da dachten wir uns: ,Warum können die Fenster sich bei zu hohem Kohlenstoffdioxidgehalt nicht selbst öffnen? So sind wir durch den Wunsch nach der Automatisierung der Fensteröffnung auf unser Projekt gekommen.“ Sie entwickelten ein Programm, das bei einem bestimmten Kohlendioxidwert automatisch lüftet.

Messsystem zeigt die Stärke des Tageslichts an

Doch dann fiel den beiden auf, dass nicht nur schlechte Luft das Lernklima beeinträchtigt, sondern auch Lärm und falsches Licht. So verbesserten sie ihr Modell noch. An einem Hausmodell zeigen sie die „Lernhemmer“: Eine Ampel warnt bei zu hohem Kohlendioxidgehalt als Aufmerksamkeitskiller, eine weitere „Schallampel“, wenn es zu laut wird, und ein Messsystem zeigt an, ob genügend Tageslicht vorhanden ist.

Doch fast wäre ihr Auftritt beim Landeswettbewerb in Clausthal-Zellerfeld zum Fiasko geworden: „Eine Viertelstunde, bevor die Jury kam, ist uns ein Transistor durchgebrannt“, erzählt Bastian Matthies. Die Folge: Nichts ging mehr. Hilfesuchend haben sie sich an eine Studentin gewandt, die die Teilnehmer betreute. In Windeseile organisierte sie ein Ersatzteil, die Gymnasiasten reparierten ihr Modell – gerade noch rechtzeitig. „Unseren Ansatz fand die Jury echt gut“, freut sich Bastian. Aber es habe auch einen klaren Verbesserungsvorschlag gegeben: Die Gymnasiasten sollten die verschiedenen Warnsysteme zusammenfassen. Das wollen sie jetzt auch machen. Die beiden 15-Jährigen denken aber schon weiter: Die Messdaten sollen zentral auf einem Server gespeichert und über eine App auch per Handy abrufbar sein.

Doch sie wollen nicht nur mit dem Modell arbeiten, sondern ihre Forschungen auch ganz praktisch einsetzen: Dazu wollen sie einen Prototypen der Aufmerksamkeits-Ampel bauen, der entweder mit Strom- oder Batteriebetrieb im Klassenzimmer aufgehängt werden kann. Solange es grün leuchtet, ist alles in Ordnung, bei gelb heißt es dann „Fenster auf“ und bei rot „komplett lüften“.

Dafür gibt es bereits Interessenten: „Eine Schule aus Hannover wollte die Ampel beim Landeswettbewerb gleich bestellen“, erzählt Tjado nicht ohne Stolz. Denn das gesamte Lüftungssystem, das sei in der Praxis einfach zu teuer, ergänzt Bastian. Aber die Ampel sei schon für 100 bis 200 Euro anzufertigen, schätzt er. „Das macht einfach Spaß, wenn es irgendwann funktioniert“, zieht er ein positives Fazit für die gut eineinhalb Jahre Tüftelei. Auch einen ganz praktischen Nutzen haben die beiden aus ihren Forschungen gezogen: Sie achten auf den richtigen Platz: „Ich versuche, näher am Fenster zu sitzen. Man merkt einfach, dass das besser ist“, verrät Bastian.