Sichtlich angetan vom regen Interesse
Böhme-Zeitung vom 05.02.2010:
Buchverleger Klöpfer steht 13. Jahrgang des Gymnasiums Soltau Rede und Antwort
Beifall für Verleger Hubert Klöpfer (links) nach seinem Referat am Gymnasium Soltau. Lehrer Wolfgang Finke ist darüber erfreut. Foto: rdv
rdv Soltau. Es ist schon eine Seltenheit, dass ein erfolgreicher Buchverleger eine Schule besucht. Die Idee dazu hatte Sabine Precht vom Soltauer Kulturkreis Künstlerwohnung. Lehrer Wolfgang Finke, Fachobmann für Deutsch am Gymnasium Soltau, griff die Idee auf. So kam es, dass Hubert Klöpfer, Verleger des renommierten Tübinger Verlags Klöpfer & Meyer, der mit dem Baden-Württembergischen Landespreis für literarische Verlage ausgezeichnet wurde, kürzlich vor Schülerinnen und Schülern des 13. Jahrgangs ein Referat hielt.
Kurt Tucholsky, Alexander Roda-Roda, Friedrich Schlegel, Christian Friedrich Hebbel und auch Johann Wolfgang von Goethe ließen oft kein gutes Haar an ihren Verlegern. „Wenn schon große Verleger so wenig galten, was erst gelten dann die kleineren, zu denen ich mich zähle“, fragte Klöpfer am Anfang seines Vortrages. Kleine Verlage hätten es nicht leicht im allgemeinen Literaturbetrieb. Sie kämpften auf dem Weg zur größeren Leserschaft gegen eine fast übermächtige Konzernverlagskonkurrenz. Er sei aber überzeugt, dass das literarische Leben ohne freie und unabhängige Verlage verkümmern würde.
Zum Experimentieren
Kleinere Verlage seien gemeinhin die eigentlichen Entdeckungs- und Experimentierverlage. Sie setzten nicht nur auf das Marktgängige, sondern auf das Besondere und auf die Überraschung. Verlage müssen durch mindestens drei Nadelöhre gehen, meint Klöpfer. Das erste Nadelöhr sei der Buchhandel, der aus wirtschaftlich verständlichen Gründen keine große Lagerhaltung an Büchern anstrebe. Als zweites Nadelöhr bezeichnete er die Literaturkritik, bei der die kleineren Verlage wegen der zu kleinen Werbeetats schlecht abschnitten. Das dritte Nadelöhr schließlich sei, und das brachte Klöpfer fast entschuldigend vor, das anwesende junge Publikum, das sich vom Internet oder sonst wie ablenken lasse, und von dem man ein Verleger nie so recht wisse, was es denn lese.
Viele Fragen
Damit schlug er die Brücke zu den Zuhörern, die viele Fragen stellten. Die Schülerinnen und Schüler erhielten zum Beispiel Antworten auf Fragen, ob er als Verleger alle Bücher, die er heraus bringt, selbst liest. Ob nur er als Verleger entscheidet, welche Manuskripte abgelehnt werden. Es wurde nach der Belegschaftsstärke des Verlages ebenso gefragt als danach, ob er an den Verlag gerichtete Briefe selber beantworte und welche Chance ein Manuskript habe, angenommen zu werden. Hubert Klöpfer war sichtlich angetan von der regen Beteiligung.
| Geschrieben von: Bau am 09.02.2010 | | Wertung |
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